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Alexander von Humboldt in Venezuela

Viel wurde schon anderorts über Alexander von Humboldt berichtet und wird auch immer wieder gerne aufgegriffen. Hier nun ein Teil der sich mit seiner amerikanischen Forschungsreise von 1799 bis 1804 beschäftigt, und dabei sein Augenmerk auf Venezuela und die Forschungsfahrt auf dem Orinoco legt.

Humboldt, der Humanist und außergewöhnliche Wissenschaftler, fuhr mit dem Botaniker Bonpland ausgerechnet auf einem spanischen Schiff, dass "Pizarro" hieß nach Südamerika. Gut 250 Jahre vorher hatte genau dieser Francisco Pizzaro das Reich der Inka zerstört und den letzten großen Inka, Atawallpa, nach der Schlacht von Cajamarca (1533) töten lassen. (Der letzte Inka-König, Túpac Amaru I. wurde übrigens rund 40 Jahre später in Cusco von den Spaniern gevierteilt. Mehr dazu finden Sie unter Inkarri im Bereich Peru).

Nun kam also Alexander von Humboldt mit einem spanischen Forscher-Pass, der ihm alle nur erdenklichen Freiheiten in den spanischen Kollonien zusicherte und begann systematisch das Land zu erforschen, zu vermessen, zu botanisieren und vorallem Artefakte zu sammeln und alles aufzuschreiben, was ihm berichtenswert schien. Endlich interessierte sich jemand wirklich für diesen neuentdeckten Kontinent und seine faszinierende Natur. Nicht für umsonst findet man heute noch in Venezuela Anhänger Humboldts, die ihn und nicht "Colon" (Christoph Columbus) als den wahren Entdecker Amerikas feiern. Im Nationalmuseum von Venezuela findet man heute noch Originalschriften Humboldts, die gehegt und gepflegt werden und kaum ein Schulkind aus Caracas, das noch nicht zum obligatorischen Schulausflug in die Humboldtsche Gedankenwelt eingeführt wurde.

Die Einlassungen des großen preußischen Forschers, sein Engagement für Menschenrechte, sein Einsatz für Land und Leute und seine Berichte aus der neuen Welt in Europa haben ihm einen dauerhaften Ehrenplatz in den Geschichtsbüchern Südamerikas eingebracht. Gerne schmückt man sich noch heute in Venezuela mit seinem Namen, dort gibt es vom kleinen Humboldtladen bis zum Humboldtplatz alles. Außerdem hat das Wirken des Forschers wohl einen zeitüberdauernden Effekt, was die "Deutschfreundlichkeit" angeht, die in Venezuela, mit einer relativ großen deutschen Gemeinde, ziemlich ausgeprägt ist.

Doch zurück zur Forschungsreise, die am 5.06.1799 in La Coruna, Spanien, startete. Humboldt war ein (Natur-) Wissenschaftler moderner Prägung der auf empirische Methoden setzte und mit modernsten Instrumenten den Elementen auf den Grund ging. Die Überfahrt nach Südamerika verlief problemlos und nach einem Zwischenstopp auf Teneriffa gelangte man am 16.07.1799 nach Cumaná, Venezuela. Über den Meteoritenschauer der Leoniden, von dem Humboldt dort Mitte November berichtet, lesen Sie gerne an anderer Stelle, wir folgen hier Humboldt und Bonpland nach Caracas, nachdem sie monatelang alles vermessen und aufgezeichnet hatten, was ihnen in die Finger kam.

Hatte Humboldt den Herrensitz seiner Eltern, Schloss Tegel, noch als "Schloss Langweil" tituliert, so muss ihm in dieser Umgebung das Herz aufgegangen sein. Seine körperliche Verfassung war unglaublich und er schrieb einmal, dass ausgerechnet der Dschungel (mit Ausnahme der Moskitos) sein Element sei. Unter enormen Strapazen unternahm er mit seinem Botanikerfreund eine Expedition auf dem Orinoco, um zu beweisen, dass die großen Flusssysteme Orinoco und Amazonas eine Verbindung besitzen. Man glaubte zu der damaligen Zeit, dass dies nirgendwo auf der Erde sein könnte. Humboldt trat den Gegenbeweis an indem er ca. 2800 km auf dem Rio Negro und dem Orinoco fuhr und dabei den Rio Casiquiare entdeckte, der genau diese Verbindung darstellt.

Das ganze Unternehmen erscheint noch unglaublicher, wenn man weiß, dass die Forscher mit einer einheimischen Piroge, so etwas wie ein indianischer Vierer mit Steuermann, unterwegs waren. Diese Boote findet man heute noch auf den Flüssen Südamerikas, 10 bis 15 Meter lang und gut einen Meter breit mit wenig Tiefgang sind sie die idealen Fortbewegungsmittel zum Beispiel in der Amazonasregion. Humboldt führte auf diesem nicht gerade geräumigen Boot zahlreiche wissenschaftliche Instrumente, sowie Käfige mit gefangenen Tieren und andere Sammelobjekte mit. Nachdem die Piroge am 20.05.1800 die Flussgabel des Orinoco erreicht hatte, war Humboldt zufrieden und man trat die Rückreise flussabwärts nach Angostura, später Stadt Bolívar, an. Am 23.07.1800 erreichte man schließlich die Küstenstadt Neu-Barcelona und konnte eine erste erfolgreiche Expedition auf dem südamerikanischen Kontinent feiern.

 
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