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Die Admiral Graf Spee - diplomatischer Sieg am Rio de la Plata



Dies ist die Geschichte des berühmten Westentaschen-Schlachtschiffs Admiral Graf Spee, das nach kurzer aber erfolgreicher Kaperfahrt in den Gewässern vor Afrika und Südamerika im Rio de la Plata zwischen Uruguay und Argentinien selbst-versenkt wurde. (Sehen Sie am Ende des Artikels einige bewegte Bilder)

 

Die Geburt einer Legende

Die Admiral Graf Spee hatte ihren Namen, den sie zur Indienststellung bei der deutschen Kriegsmarine am 06.01.1936 durch Adolf Hitler erhielt, zu Ehren des Vizeadmirals Maximilian Graf von Spee, der im ersten Weltkrieg letzter Kommandant des bei den Falkland Inseln vernichteten Ostasiengeschwaders war. Die Bauzeit betrug 21 Monate in der Reichsmarinewerft in Wilhelmshaven. Deutschland musste sich zu diesem Zeitpunkt noch an die Vorgaben des Versaillers Vertrages (bzw. auch an das deutsch-englische Flottenabkommen vom Juni 1935) halten, das gewisse Obergrenzen im Bereich der militärischen Rüstung für den Verlierer des ersten Weltkrieges vorsah. So durfte ein gewisses Gesamtgewicht nicht überschritten werden, was dazu führte, dass durch einen Kompromiss mehr Wert auf Motorisierung, Bewaffnung und Geschwindigkeit gelegt wurde, als auf Panzerung.

 

Das Westentaschen-Schlachtschiff auf dem Weg in den zweiten Weltkrieg

Die ersten Jahre war die Graf Spee das Flaggschiff der deutschen Marine und ganzer maritimer Stolz der Nationalsozialisten. Als diese Ihre „Legion Kondor“ im spanischen Bürgerkrieg „ausprobierten“ war auch die Admiral Graf Spee in den Gewässern und sicherte den deutschen Einsatz ab. (Feierte die Wehrmacht Erfolge und meisterte somit die „Generalprobe“ für den bevorstehenden Weltkrieg, so hatte die deutsche Marine in diesem Krieg kein so rühmliches Auftreten. Das Panzerschiff „Deutschland“ wurde bei einem Fliegerangriff von einer Bombe getroffen und es kam zu hohen Verlusten.) 1937 wurde die Graf Spee dann bei der internationalen Flottenparade zu Ehren der Krönung Georgs VI. von England präsentiert.

Nach dem sogenannten Z-Plan von Erich Raeder, der seit 1928 die Leitung der Reichs- bzw. Kriegsmarine übernommen hatte, sollten ab dem Frühjahr 1939 in fünf bis sechs Jahren enorme Marine-Streitkräfte aufgebaut werden, um Großbritannien im kommenden Krieg Paroli bieten zu können. Es sollte eine Flotte von 10 Großkrampffischen (ah, Sie sind noch wach!), 15 Panzerschiffen, 4 Flugzeugträgern, 49 Kreuzern, 158 Zerstörern und Torpedobooten, 75 Schnellbooten und 227 Minensuch- und Räumbooten und 249 U-Booten entstehen. Der Kriegsausbruch am 01.09.1939 und die Kriegserklärung Englands machten diesen Plan natürlich hinfällig.

 

Kriegsausbruch und Beginn des Handelskrieges

So war zu Kriegsbeginn keine entsprechende deutsche Flotte vorhanden und auch die Admiral Graf Spee operierte als Einzelschiff mit Versorger, dem Trossschiff Altmark, im Atlantik und im Indischen Ozean. Das Westentaschen-Schlachtschiff hatte bereits am 23. August 1939 seinen Liegeplatz verlassen und war im Südatlantik auf Warteposition gegangen. Man erlebte den Kriegsbeginn somit bereits auf offener See, wurde jedoch erst nach knapp einem Monat, am 26.09.1939 auf Kaperfahrt gegen britische Handelsschiffe befohlen. Am 30.09. wurde dann auch als erstes von neun Schiffen die britische „Clement“ auf ihrer Fahrt nach Bahia in Brasilien aufgebracht und versenkt.

Einerseits wurde der britischen Marine damit die Anwesenheit eines deutschen Panzerschiffes bewusst, andererseits setzte Kapitän Langsdorff Maßstäbe in Bezug auf den Umgang mit gegnerischen Schiffen im Handelskrieg. Die gestellten Schiffe wurden gewarnt, der Besatzung wurde Zeit zum Verlassen gegeben, Offiziere von der Graf Spee aufgenommen, die Mannschaften wurde als Kriegsgefangene an das Trossschiff übergeben und die Schiffe dann versenkt. Bei der Kaperfahrt des Schlachtschiffes kam kein Mensch ums Leben und die Gefangenen wurden vorbildlich behandelt. Bis zum siebten Dezember des Jahres wurden noch weitere acht britische Schiffe mit insgesamt etwa 50.000 Bruttoregistertonnen versenkt, darunter die „Huntsman“, „Travanian“ und der Turbinenfrachter „Doric Star“. Versorgt wurde die Admiral Graf Spee vom Trossschiff Altmark, von dem sie am 06.12.1939 zum neunten und letzten Mal Treibstoff übernahm.

 

 

 

Die "Schlacht der Ehre" am Rio de la Plata

Kapitän Langsdorff wollte vor der Rückfahrt in heimische Gewässer noch einmal an der Küste Südamerikas möglichst viele feindliche Schiffe aufbringen. Die britische Marine hatte zwar einen starken Flottenstützpunkt auf den Falkland Inseln, jedoch auch zahlreiche Handelsschiffe in der Region. Am 13.12.1939 traf die Graf Spee jedoch vor Buenos Aires bzw. Montevideo an der Mündung des Rio de la Plata auf einen überlegenen gegnerischen Schiffsverband mit dem schweren Kreuzer „HMS Exeter“ als Flaggschiff. Des weiteren waren zwei leichte Kreuzer mit von der Partie, die britische „HMS Ajax“ und die neuseeländische „HMS Achilles“. Trotz Überlegenheit des gegnerischen Verbandes und der Möglichkeit aufgrund der besseren Motorisierung (Dampfturbinen gegen Dieselmotor bei der Graf Spee) zu flüchten, vermied Kapitän Langsdorff das Gefecht nicht, das später als „Battle of Honour“ in die alliierte Marinekriegsgeschichte Eingang fand. Im Verlauf der Schlacht wurde die „Exeter“ durch Artillerie schwer beschädigt und außer Gefecht gesetzt. Es gab über 60 Tote und 23 Verwundete. Die beiden leichten Kreuzer wurden ebenfalls beschädigt, konnten den Kampf jedoch fortsetzen. Auch die Graf Spee hatte neben Verlusten von 36 Mann und 60 Verwundeten auch erhebliche Schäden am schlecht gepanzerten Schiff zu beklagen.Langsdorff entschied die Schlacht abzubrechen und im neutralen Hafen Montevideo in Uruguay vor Anker zu gehen.

 

Britische Diplomatie und Informationspolitik

Das berühmte Schiff war im Hafen Anziehungspunkt vieler Schaulustiger. Britische Spione meldeten jeden ersichtlichen Schaden an die Botschaft und versuchten durch Desinformation die weiteren Entscheidungen der deutschen Besatzung zu beeinflussen. Zwar liegen heute die Meldungen der beiden Kriegsseiten vor, insbesondere was jedoch die Schwere der Schäden an der Graf Spee angeht, herrscht keine klare Aktenlage. Tatsache ist jedoch, dass die Deutschen von einer überlegenen englischen Streitmacht an der Mündung des Rio de la Plata ausgingen und diese, wohl fälschliche Erkenntnis auch so nach Berlin meldeten. Man mutmaßte sogar, dass sich die Royal Oak, die später vom U-Boot-Kapitän Prien in Scapa Flow versenkt wurde, im Anmarsch auf Uruguay befand. Vor Montevideo pattroulierten immer noch die „Ajax“ und die „Achilles“. Die „Exeter“ wurde durch die „HMS Cumberland“ von den Falkland-Inseln ersetzt.


Da Uruguay im zweiten Weltkrieg neutral war, die Bevölkerung sogar deutsch-freundlich, glaubte Kapitän Langsdorff sich aufgrund internationalem Recht für zwei Wochen im Hafen sicher. Der britische Botschafter handelte jedoch mit der Regierung von Uruguay aus, dass Schlachtschiff nach 72 Stunden zum Verlassen des Hafens zu zwingen. Inzwischen war britische Verstärkung unterwegs, die Zeit für die nötigen Reparaturen für das deutsche Schiff zu kurz und eine weitere britische Finte verhinderte den sofortigen Ausbruch der Graf Spee vor dem Eintreffen weiterer Schiffe. Nach internationalem Recht durften nämlich keine Kriegsschiffe neutrale Häfen verlassen, wenn innerhalb von 24 Stunden ein Handelsschiff des Gegners diesen verlassen hatte. So sorgte der britische Botschafter für ein tägliches Auslaufen und verhinderte damit die Fahrt des Schlachtschiffes solange nicht genug Verstärkung vor Ort war.

 

Die Versenkung der Admiral Graf Spee am 17.12.1939 und die Folgeereignisse

Kapitän Langsdorff beschloss die Versenkung der Admiral Graf Spee, um diese nicht in feindliche Hände fallen zu lassen. Am 16. Dezember 1939 befahl er dem Hauptteil der Besatzung das Schiff heimlich zu verlassen. Am nächsten Tag verlies er mit einer Restmannschaft von 40 Mann um 18:15 Uhr den Hafen von Montevideo, ankerte in der Mündung des Rio de la Plata und sprengte gegen 20:00 Uhr das Schiff in die Luft, nachdem die restliche Besatzung dieses verlassen hatte. Es dauerte drei Tage bis das brennende Wrack versank. (Bis heute liegt es zumindest in Teilen dort immer noch in einer Tiefe von ca. acht Metern.) In der Zwischenzeit hatte sich die Besatzung der Admiral Graf Spee nach Argentinien, auf die andere Flussseite, begeben. Das Oberkommando der Wehrmacht meldete den Vorfall zwar und bekräftigte, dass Hitler selbst die Versenkung angeordnet hätte, Zweifel an dieser Darstellung sind jedoch berechtigt und der Selbstmord von Kapitän Hans Langsdorff in Buenos Aires kann durchaus auf Druck von außen erfolgt sein.


Die Beisetzung Langsdorffs fand am 22.12.1939 auf dem deutschen Friedhof in Buenos Aires statt und fand große Anteilnahme bei der einheimischen Bevölkerung. Selbst die Offiziere der gekaperten Feindschiffe erwiesen ihm die letzte Ehre und legten einen Kranz nieder.


Abschließend kann noch berichtet werden, dass ein größerer Teil der Besatzung der Admiral Graf Spee nie nach Deutschland zurückkehrte, sondern sich im deutsch-freundlichen Argentinien in Villa General Belgrano, in der Nähe von Córdoba, niederließen und dort bis heute sichtbare deutsche Spuren hinterließen.

 

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