Start Peru Geschichte Perus Die Linien von Nazca und ihre Fans aus Dresden
Die Linien von Nazca und ihre Fans aus Dresden

 


Unter den sogenannten Nazca-Linien versteht man Geoglyphen, also riesige (teilweise kilometerlange) Scharrbilder im Wüstenboden bei den Städten Nazca und Palpa in Südperu. Sowohl das unbekannte Kulturvolk, wie auch die Linien und die Wüste haben ihren Namen von der Stadt Nazca, die nahe an der Ebene liegt. Manchmal werden die Linien auch Nasca-Linien geschrieben. In der Wüste befinden sich auf einer Fläche von etwa 500 km2 – exakte Vermessungen finden aktuell in Zusammenarbeit zwischen Schweizer und Deutschen Forscherteam statt – teilweise über 20 km lange Linien, die wie mit dem Lineal gezogen, daliegen und Dreiecke, Trapeze und andere geometrische Flächen ausmachen. Des Weiteren gibt es Figuren, die Affen, Wale, Menschen und Vögel zeigen.


Die Linien, mit ihrer beigegelben Farbe, heben sich deutlich vom übrigen Wüstenboden, der durch Eisen- und Manganoxide eine rote Farbe hat ab. Die Künstler haben einfach die obere Schicht entfernt und ihre Figuren und Bilder, die in der Größe zwischen zehn und mehreren hundert Metern variieren, so zu sagen „freigelegt“. Durch ihre Größe kann man einige der Abbilder nur aus großer Entfernung wirklich erkennen, und dass, obwohl sie nur einige Zentimeter tief in den Wüstenboden geritzt sind. Heute gibt es einen Art „Lufttourismus“ über der Ebene. Anbieter aus Peru und Bolivien bieten Flüge über die Wüste an und zeigen den Gästen die einzelnen Figuren. So wurden auch in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Linien überhaupt erst entdeckt, nämlich durch Fluggäste, die als Fluggäste offizieller Airlines über das Gebiet flogen.

Die Schöpfer dieser mysteriösen Zeichnungen kamen aus den Tälern der Flüsse Rio Názca, Rio Pálpa und Rio Ingénio. Cahuáchi, die bekannte Pyramidenstadt soll ihr geistiges und religiöses Zentrum gewesen sein. Durch Vergleich mit archäologischen Funden, meist Tonscherben und Keramiken, aus der Nazca-Kultur wurde die Entstehungszeit der Geoglyphen auf eine Periode zwischen 200 v. Chr. und 600 n. Chr. Festgelegt. Neuere Untersuchungen ergaben, dass es auch schon etwa 600 Jahre vor dieser Zeit Linien gab.


Es ist aufgrund ihrer Beschaffenheit nicht genau zu klären, wann exakt die Nazca-Linien entstanden und was sie bedeuten. Viele Wissenschaftler und Pseudo-Wissenschaftler haben sich um Erklärungsversuche bemüht. So sah der erste Wissenschaftler, Toribio Mejia Xesspe, der sich damit professionell beschäftigte, „große Artefakte der Inkazeremonien“, und deutete die Linien als religiös-zeremonielle Straßen. Spätere Erklärungsversuche sahen in der Wüste Startplätze für Fesselballone und Erich von Däniken, erklärte die Linien sogar zum Landeplatz von UFOs.

Wirklichen Weltruhm erlangten die Nazca-Linien durch die unermüdliche Forschungsarbeit von Dr. Maria Reiche. Sie studierte die Linien von 1941 bis zu ihrem Tode im Jahre 1998, suchte nach Erklärungen für ihre Entstehung, ihre Interpretation und setzte sich vehement für ihren Schutz und Erhalt ein. Nachdem sie mit ansehen musste, wie einige Wüstenfiguren durch Straßenbauarbeiten, Fußgänger oder Autofahrer unwiederbringlich zerstört wurden, bewog sie die peruanische Regierung Maßnahmen zu ihrem Schutz zu ergreifen. Ebenfalls auf Betreiben der Forscherin aus Dresden wurden die Geoglypen 1995 von der UNESCO als „Linien und Bodenzeichnungen von Nasza und Pampa de Jumana“ zum Weltkulturerbe erklärt. Ihre Theorie, dass es sich um eine riesige astronomische Kalenderanlage handelt, ist bis heute nicht bewiesen, jedoch gilt eine Mischung unterschiedlicher Bedeutung der Linien  aus den Bereichen Landwirtschaft, Astronomie und Religion als wahrscheinlich. Man kann eindeutige Zusammenhänge zwischen Sonnwendpunkten und der Richtung einiger Linien belegen. Die Tierfiguren sollen angeblich als rituelle Wege bei Zeremonien gedient haben.


Wie erwähnt, gibt es noch viel Forschungsbedarf in diesem Gebiet und das Leben von Frau Dr. Maria Reiche hat leider nicht lang genug gedauert, um alle Fragen abschließend zu klären. Um so entscheidender ist es, die Linien von Nasca vor der Zerstörung zu bewahren, auch „in Anbetracht von Luftverschmutzung und Klimaveränderung ist der Erhalt dieses kulturellen Erbes für die Nachwelt wichtig und dafür steht der in Dresden gegründete Verein "Dr. Maria Reiche - Linien und Figuren der Nasca-Kultur in Peru" e.V.“, erfährt man auf den Seiten des Vereins. Dessen besonderes Anliegen ist die Würdigung und die Bewahrung des Andenkens an die unermüdliche Forschungsarbeit von Maria Reiche und der Schutz und die Konservierung der Bodenzeichnungen von Nasza. Hierzu steht der Verein in engem Kontakt zu seinem peruanischen Gegenstück, der "Asociación Maria Reiche - Para las líneas de Nasca/Perú" und findet rege Unterstützung durch den Fachbereich Vermessungswesen / Kartographie der HTW Dresden (FH).

 
Banner