Start (Falkland Inseln) Geschichte Das deutsche Ostasiengeschwader und die Falklandschlacht
Das deutsche Ostasiengeschwader und die Falklandschlacht

 

Kaum jemand weiß, dass in den Gewässern um die Falkland-Inseln nicht nur Argentinier Krieg gegen Großbritannien führten, sondern auch die Deutschen eine Seeschlacht mit den Engländern austrugen. Fingen die Argentinier Anfang April 1982 durch die Besetzung der Falkland-Inseln, Südgeorgiens und der Sandwichinseln einen Auseinandersetzung mit 1.000 Toten mit Großbritannien an, um beanspruchtes Gebiet zurückzuerobern, so befand sich Deutschland bei der Falkland-Schlacht im Dezember des Jahres 1914 bereits mit England im Krieg. Genau um diese Schlacht soll es hier gehen, und um die verhängnisvollen Bande, die sich zwischen dem Namen Graf Spee und Südamerika unsichtbar und sogar in doppelter Hinsicht spannen. Lesen Sie hierzu auch „Die Graf Spee in Montevideo – Sieg durch diplomatischen Druck!“ Wenn Ihnen die Vorgeschichte zu lang ist, kommen Sie hier direkt zur Schlacht bei den Falklands.

Das Ostasiengeschwader

Diese Schilderung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich die Ausgangssituation schildern, die sozusagen den Rahmen für die Falkland-Schlacht bot. Der preußische Kaiser, Wilhelm II., wollte nach dem deutsch-französischen Krieg, 1870/71, im Konzert der Großmächte mitagieren und streckte seine Fühler nach dem berühmten „Platz an der Sonne“ aus. Ein Auge fiel dabei auf Asien. Bereits einige Jahre früher konnten schon mit dem Reich der Sonne, Japan, diplomatische Beziehungen geschlossen werden, nachdem sich das Land unter internationalem Druck für Handelsbeziehungen geöffnet hatte. Kaiser Wilhelm II., der sich stark an den Engländern orientierte, diese bewunderte und gerne mit ihnen gleichziehen wollte, strebte nach einem Flottenstützpunkt in Asien, wie in Großbritannien mit Hongkong bereits einige Jahre vor dem deutschen Engagement aufgebaut hatte. Zunächst hielt sich nur ein Kanonenboot in Ostasien auf, 1881 stellte Deutschland jedoch erstmals das „Ostasiatische Kreuzergeschwader“ auf. Der Unterhalt ohne eigenen Flottenstützpunkt war teuer und Verschleißerscheinungen am Flagschiff des Geschwaders, der Leipzig, führten jedoch später wieder zum Auflösungsbefehl. Dieser wurde jedoch mit Ausbruch des chinesisch-japanischen Krieges wiederrufen, denn auch die Großmächte verstärkten jetzt ihre Flottenpräsenz in der Region.

In dieser Zeit regte sich immer stärkerer Widerstand gegen die Annektion chinesischer Gebiete und christlicher Missionierung. Dies gipfelte 1900 im so genannten Boxeraufstand. Kaiser Wilhelm II. machte hierbei mit seiner berühmten „Hunnenrede“ keine gute Figur. Als im Vorfeld zwei deutsche Missionare getötet wurden, besetzte das deutsche ostasiatische Kreuzergeschwader am 14.November 1897 die Bucht von Kiautschou, die der spätere Flottenstratege von Tirpitz ausgewählt hatte. Anfang 1898 überließ der chinesische Kaiser das Gebiet um Kiautschou zur Pacht für 99 Jahre und Kaiser Wilhelm II. hatte endlich seinen Flottenstützpunkt in Asien, indem er das Dorf Tsingtau ausbaute. Die Stadt florierte schnell, einträgliche Handelsbeziehungen wurden geschlossen und Eisenbahnkonzessionen vergeben.

Die Deutschen setzten sich nunmehr in der Gegend fest und kauften weitere Überseebesitzungen. 1899 wurden Spanien die Marianen, Palau und die Karolinen abgekauft, ein Jahr später noch Samoa. Begründet durch den Boxeraufstand wurde das Geschwader noch einmal aufgestockt, und die Anzahl wurde bis zum Ausbruch des ersten Weltkriegs, am 12. August 1914, beibehalten. Zu diesem Zeitpunkt fuhr der Verband unter dem Kommando von Vizeadmiral Graf von Spee und wurde auch „Geschwader Spee“ genannt. Auch die beiden Söhne taten Dienst auf den Schiffen dieses Geschwaders.

Das Geschwader sollte nun mehr Handelskrieg führen und wurde nach Europa zurückberufen. Auf diesem Wege liefen am 07.08.1914 die „Scharnhorst“, „Gneisenau“, „Nürnberg“ und „Titania“ zum letzten Mal aus dem ostasiatischen Flottenstützpunkt in Tsingtau aus. Auf dem Weg durch den Pazifik stießen die „Leipzig“ und die „Dresden“ zum Geschwader, der Verband stoppte noch einmal an den deutschen Südseestationen und wurde dort bestens versorgt. So war das Geschwader gut gerüstet und konnte Anfang November in der Seeschlacht bei Coronel einen gleichwertigen britischen Verband im mehrstündigen Gefecht niederringen. Dieser Schlacht sollte jedoch die entscheidende Niederlage bei den Falkland-Inseln nur einen Monat später folgen.

 

 

Die Schlacht bei den Falkland – Inseln

Am 8.12.1914 gegen Morgen näherte sich das Ostasiengeschwader auf dem Weg Richtung Europa den Falkland Inseln von Süden. Die „Gneisenau“ und  „Nürnberg“ scherten aus und liefen auf Port Stanley zu um Werftanlagen und Vorratslager des Gegners zu vernichten. Kurz vor der Hafeneinfahrt konnte man verdächtigen Rauch ausmachen, der auf feindliche Schiffe hinzuweisen schien. Auf der „Gneisenau“ und der „Nürnberg“ nahm man Fahrt auf um eine mögliches Auslaufen eines Kreuzers noch in der Hafeneinfahrt zu verhindern. Als sich jedoch immer mehr Masten aus der Rauchsäule lösten, war schnell klar, dass es sich um mindestens sechs Schiffe handeln musste. Admiral Graf Spee gab von der „Scharnhorst“ aus den Befehl, das Vorhaben abzubrechen und sich um das Flaggschiff zu sammeln. Die deutschen Kreuzer wurden zwar mit Granaten beschossen, diese richteten jedoch keinen nennenswerten Schaden an und so schloss man innerhalb einer Stunde zum Hauptverband auf. Das Geschwader nahm volle Fahrt auf und versuchte sich abzusetzen. Graf Spee war inzwischen klar geworden, dass es sich um überlegene Feindkräfte handeln musste. Diese Meinung verfestigte sich, da sich aus dem Feld der Verfolger zwei Schiffe abhoben, die größer und schneller waren. Es lag nahe, dass das Ostasiengeschwader auf britische Schlachtkreuzer gestoßen war.

 

Das erste Aufeinandertreffen

Der Gegner rückte immer näher an den Verband heran und hatte im Gegensatz zum Geschwader Spee bereits auf eine Distanz von ca. 16 Kilometer seine Gefechtsentfernung erreicht und eröffnete das Feuer. Admiral Graf von Spee befahl den leichten Kreuzern „Leipzig“, „Dresden“ und „Nürnberg“ aus dem Verband auszuscheren und sich mit ihrer leichten Panzerung nicht zum Kanonenfutter machen zu lassen. Das Flaggschiff des Verbandes, die „Scharnhorst“ drehte sich zusammen mit der „Gneisenau“ dem Gegner entgegen, da eine Flucht aussichtslos schien. Sie sahen sich den übermächtigen Schlachtkreuzern „Invincible“ und „Inflexible“ gegenüber, deren 30,5 cm-Geschütze hatten Geschosse, die im Vergleich zum Gegner ein Vielfaches an Gewicht hatten. Die Schiffe formierten sich und gingen in Angriffsposition.

 

Die Kreuzerschlacht

Währenddessen konnten die leichten Kreuzer „Leipzig“, „Nürnberg“ und „Dresden“ zwar aus dem Verband ausscheren, wurden jedoch sofort von den britischen Panzerkreuzern "Cornwall", "Kent" und "Glasgow" verfolgt. Die Deutschen waren hoffnungslos unterlegen und so gab es nur die Möglichkeit in unterschiedliche Richtungen zu flüchten, die Verfolger im Nacken. Nach etwa zwei Stunden wurde die „Leipzig“ von der „Cornwall“ aufgebracht. Die Munition neigte sich bald dem Ende zu und als auch Torpedoangriffe keinen Erfolg brachten, wurde das Schiff gegen 22:00 Uhr gesprengt. Nur 18 Matrosen überlebten das Gefecht.
Ähnlich erging es auch der „Nürnberg“, die vom Panzerkreuzer „Kent“ so schwer beschädigt wurde, dass auch sie nach misslungenen Torpedoangriffen gesprengt werden musste. 320 Matrosen starben, lediglich sieben wurden gerettet.

 

"Gneisenau" und "Scharnhorst" stellen sich dem überlegenen Gegner

Die Großschiffe des deutschen Verbandes nahmen also die Herausforderung des Gegners an. Gegen Mittag gab es die ersten schweren Treffer auf der „Gneisnau“ und die Besatzung war bemüht den Abstand zu verringern, um mit Ihren 21 cm-Geschützen das Feuer erwidern zu können. Die „Gneisenau“ setzte einige Treffer und der englisch Admiral erhöhte die Entfernung wieder und hielt diese jetzt konstant. Admiral Graf von Spee versuchte nach Süden zu entkommen, doch der Gegner eröffnete auf ca. 17 Kilometer Entfernung das Feuer und dem hatte die „Scharnhorst“ nur wenig entgegenzusetzen. Aufgrund der enormen Gefechtsentfernung schlugen die britischen Granaten fast senkrecht auf Deck ein und verursachten enorme Schäden, viele Feuer brachen aus und es kam zu Wassereinbrüchen im Unterdeckbereich. Das Schiff feuerte ein letztes Mal aus den Bugtürmen bevor sich die Schraube in die Luft hob und die „Scharnhorst“ um 16:16 mit dem Bug voran in die Tiefe glitt. 795 Matrosen fanden den Tod. Die „Gneisenau“ sah sich nach dem Untergang des Flaggschiffs nun beiden Schlachtkreuzern ausgeliefert. Ein weiterer Panzerkreuzer griff zusätzlich noch in das Gefecht ein. Auch hier feuerte das Schiff noch aus den vorderen Türmen, bis die Granaten ausgingen. Da der Schlachtkoloss noch schwimmfähig war, ließ sein Kapitän das Schiff fluten, um es nicht dem Feind in die Hände fallen zu lassen. Gegen 18:00 Uhr versank die „Gneisenau“ in den Tiefen des Meeres in der Nähe der Falkland-Inseln. 187 Matrosen wurden von englischen Schiffen gerettet.

 

Das Ende des "Geschwaders Spee"

Als einziges Schiff aus dem "Geschwader Spee" entkam die "Dresden". Bei diesem Gefecht vor den Falkland-Inseln starben über 2250 deutsche Marine-Soldaten und lediglich 12 englische Matrosen. Das deutsche Ostasiengeschwader wurde nie wieder aufgestellt.

 
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