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Boliviens frühgeschichtliche Amazonas-Barbaren?! Drucken E-Mail

 

In der Ausgabe 34 der Zeit vom 17.08.2006 berichtet Michael Zick von der Entdeckung eines Fürstengrabes im Amazonastiefland von Bolivien durch deutsche Forscher und stellt die Frage nach einer Hochkultur vor der Zeit der Inka.

Der Tote trug demnach eine Metallscheibe auf der Stirn und zahlreiche Ketten aus Stein und Knochen, auf der Brust lagen Tigerkrallen und der Ohrschmuck war mit Schuppen des Gürteltierpanzers besetzt. Dass der Tote eine herausragende Stellung in der damaligen Gesellschaft gehabt haben muss, scheint nach dem Autor klar, doch war er ein Fürst? Der Tote auf dem Siedlungshügel Loma Salvatierra liefert den ersten archäologischen Beweis, dass es früh eine gesellschaftliche Hierarchie bei den Bewohnern des Amazonasgebietes gab, ob es gar eine Hochkultur war, bleibt bisher jedoch offen.

Zick berichtet von der engagierten Arbeit des Forschers Heiko Prümers, der bereits seit zwölf Jahren als Mitarbeiter des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) die Frühgeschichte Boliviens erforscht. Ob es jedoch eine Hochkultur gab, wagt auch er noch nicht zu bestätigen, er wird jedoch mit der Aussage zitiert, dass es kein vergleichbares Grab gäbe und festgefahrene Meinungen über die Urbewohner ins Wanken geraten seien.

Man habe lange Zeit die Inkas in den Anden als Einzige mit einer Hochkultur gesehen, die Bewohner des unüberschaubaren Amazonas-Schwemmlandes galten hingegen als rückständig und wurden von den Inka als Barbaren beschrieben. Die spanischen Eroberer sahen in ihnen nach Zick nur vagabundierende Jäger und Sammler.


Durch enorme Abholzungen im Regenwald kamen jedoch Mitte des vorigen Jahrhunderts erste Belege für die Sesshaftigkeit und systematische Bodenbearbeitung zum Vorschein. Hügel, kilometerlange Dämme und Kanäle sprachen für planvolles Handeln einer koordinierten Elite. Zwei Meter hohe und 100 Meter lange Aufschüttungen wurden wohl fälschlich als raffinierte Hügelbeete gedeutet, mancher Forscher ließ sich angeblich zu Aussagen hinreißen, es hätte eine Hochkultur gegeben, die noch dazu Taktgeber für die Entwicklung im Hochland gewesen sei.
Heiko Prümers bestätigt in dem Artikel die Behauptung bleibt jedoch mit seinen Aussagen vage, da keine ausreichenden Belege für das Bestehen einer Hochkultur und den Einfluss auf die Andenbewohner gefunden wurde. Denn wo sind die Leute hin und wer waren sie?
Die Lomas, also Siedlungshügel wurden beinahe nur im Südosten vom Bezirk Beni entdeckt, die angeblichen Hügelbeete nur im 150 bis 200 Kilometer entfernten Nordwesten. Zur Feldbestellung liegen diese Orte zu weit auseinander, vielleicht waren es doch keine Felder sondern auch Siedlungshügel.


Heiko Prümers sucht um den Siedlungshügel Loma Salvatierra weiter nach Spuren der ehemaligen Hochkultur, denn die Anlage war nicht erhaben, um sie vor Hochwasser zu schützen, viel mehr lässt eine ausgedehnte Wallanlage auf Schutzmotive schließen. Nun sucht der Forscher nach landwirtschaftlicher Nutzfläche um die drei Faktoren für die Entstehung einer Hochkultur nachzuweisen: Nahrungsüberschuss durch Landwirtschaft, Sesshaftigkeit mit Häusern und eine hierarchische Gesellschaft mit einem Anführer.


Laut Zick hat Prümers zumindest für Letzteres durch den Fund des „Fürstengrabes“ einen Beweis erbracht. Getauft hat der Forschen den Toten „Sub-Kaziken von Casarabe“, nach dem nahegelegenen Dorf. Er wisse über seinen „Kaziken“, dass er mit 170 Zentimeter recht groß und mit 35 Jahren schon ein älterer Mann gewesen ist. Die genaue Datierung des Grabes stehe noch aus und auch an den Beweis einer frühen Hochkultur im Schwemmland Boliviens möchte der Forscher ohne weitere Beweise noch nicht glauben, aber für ihn stehe fest, dass es sich bei der Bevölkerung auf keinem Fall um Barbaren gehandelt haben kann!

 
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